Verbleib im Gesamtarbeitsvertrag: Der Plattenverband fährt in die Sackgasse

Nach monatelanger Gesprächsverweigerung durch die Arbeitgeberseite fanden am 10. März konstruktive Verhandlungen zwischen dem Plattenverband und der Gewerkschaft Unia statt. Eine beidseits vorteilhafte Lösung für den Verbleib im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) lag danach auf dem Tisch. Doch nun sagt der Plattenverband die für heute Mittwoch 17. März geplante zweite Gesprächsrunde ab. Damit fährt er in die Sackgasse – und an die Wand, wenn er nicht bald zur Vernunft kommt. Die Unia lädt die Arbeitgeberseite ein, in einer Woche eine sozialpartnerschaftliche Einigung zu finden.

Im Frühling 2020 hatte der Plattenverband den Austritt aus dem bestehenden GAV im Ausbau-Gewerbe verkündet. Danach verweigerten die Arbeitgeber in der Plattenleger-Branche monatelang das Gespräch. Sie meinten offenbar, zukünftig ohne Gesamtarbeitsvertrag auszukommen, um die bewährten Mindestlöhne in diesem körperlich harten Beruf drücken zu können. Doch sie hatten ihre Rechnung ohne die Arbeitnehmer gemacht, die für ihre Rechte auf die Strasse gingen. Anfang März lenkte der Plattenverband ein und stimmte endlich Gesprächen zu.

Eine erste Runde fand am 10. März statt – und schon lag eine beidseitig zufriedenstellende Lösung auf dem Tisch: Die Unia konnte nämlich das Missverständnis ausräumen, dass die Plattenleger-Firmen beider Basel mit einem regionalen GAV eine unfaire Konkurrenz durch ausserkantonale Firmen zu fürchten hätten, die tiefere Löhne bezahlen. Denn es gilt grundsätzlich das Leistungsortsprinzip. Ortsfremde Firmen müssen die Lohnvorgaben des regionalen GAV einhalten. Mit einer Verstärkung der Kontrollen lassen sich gleich lange Spiesse für das Basler Gewerbe sicherstellen.

Doch statt heute in der zweiten Runde wie geplant gemeinsam letzte Details zu klären die Verhandlungen abzuschliessen, sagt der Plattenverband nach einer Konsultation seiner Mitglieder das Gespräch mit der Unia ab. Er spekuliert offenbar darauf, sich dem nationalen Gesamtarbeitsvertrag (LGAV) anzuschliessen, der tiefere Mindestlöhne vorsieht. Doch diese Träumerei führt direkt in die Sackgasse: Die Unia wird national sicher nicht Hand bieten, um regional getroffene und bewährte Abmachungen zu unterbieten. Damit würde das durchsichtige Spiel der Basler Arbeitgeber auf dem Buckel der hart arbeitenden Plattenleger*innen ausgetragen.

Mit ihrer neuerlichen Gesprächsverweigerung fahren die Arbeitgeber also direkt in die Sackgasse. Kommen sie nicht rasch zur Vernunft – und in einer Woche unterzeichnungsbereit an den Verhandlungstisch zurück – tragen sie die Verantwortung für einen vertragslosen Zustand. Dieser schadet zuallererst den Arbeitgebern, die Planungssicherheit ebenso wie die Motivation ihrer Mitarbeitenden aufs Spiel setzen. Die Unia fordert den Plattenverband auf, die bewährte Sozialpartnerschaft und die Plattenleger-Branche beider Basel nicht an die Wand zu fahren.