Prattler Pharma protestiert und klagt gegen Lohnkürzung

Coronavirus als Vorwand: Trotz «hervorragenden Zahlen» und steigender Produktion auch in Corona-Zeiten verweigert die Geschäftsleitung der SI Group ihren rund 125 Mitarbeitenden die bereits im Februar 2020 vereinbarte Lohnerhöhung. Der zynische Vorwand der Geschäftsleitung: Coronavirus und Solidarität mit dem Mutterhauskonzern in den USA. Nach Monaten des Hinhaltens reicht die Unia im Namen der Mitarbeitenden nun Klage ein.

Seit April diesen Jahres warten rund 125 Angestellte des Industriebetriebs SI Group in Pratteln auf ihre Lohnerhöhung, die bereits im Februar 2020 beschlossen und kommuniziert wurde. Der Entscheid für eine Lohnerhöhung von 1.3% (0.4% generell, 0.9% individuell) im Rahmen der alljährlichen Lohnverhandlungen mit der Gewerkschaft Unia fiel damit kurz vor der «ersten Welle» der Schweizer Corona-Fälle. Dem Betrieb geht es aber bis heute wirtschaftlich glänzend, dasselbe gilt für das Vorjahr.

Nichtsdestotrotz erdreistet sich die Geschäftsleitung, das Coronavirus und ihre Folgen als Vorwand zu nehmen, die vereinbarten Löhne auszubezahlen, was einer Lohnkürzung gleichkommt. Auch auf einen Kompromiss seitens der Betriebskommission liess sie sich nicht ein. Ein weiterer Vorwand: Der regionalen Geschäftsleitung seien die Hände gebunden, anderen Betrieben in anderen Ländern gehe es wirtschaftlich schlechter, mit diesen gelte es sich zu solidarisieren und damit zumindest vorerst auf die Lohnerhöhung zu verzichten.

Nach Monaten weiterer Verzögerungen ist der Unmut der Mitarbeitenden gewachsen, der Geduldsfaden gerissen: In den vergangenen Wochen haben sie sich in Betriebsversammlungen organisiert, Gewerkschaftsmitglieder haben sich mit der Unia besprochen, Petitionen wurden eingereicht, weitere Gespräche geführt. Mit der Mittagsaktion heute Mittwoch, den 21. Oktober 2020 haben über 50 Mitarbeitende klar gemacht, dass sie gemeinsam mit der Gewerkschaft Unia den Rechtsweg beschreiten: Die Unia reicht heute gegen die SI Group in Pratteln Klage ein.

Die Gründe für diesen Schritt sind vielfältig: Zum einen verzeichnet der Standort Pratteln immer mehr Abgänge, die nicht ersetzt werden; eine steigende Produktion wird damit von weniger Mitarbeitenden geschultert – der Mutterhauskonzern fährt damit zusätzliche Gewinne auf dem Rücken des Personals ein. Und ob steigende Mieten, Krankenkassenprämien oder mangelnder Teuerungsausgleich: Steigende Lebenskosten müssen durch die Löhne berücksichtigt werden.

Für Lucien Robischon, Verantwortlicher Industrie der Unia Region Aargau-Nordwestschweiz, ist klar: «Die gesundheitliche, gesellschaftliche wie wirtschaftliche Tragweite des Coronavirus erleben wir als Gewerkschafter*innen jeden Tag. Die Coronakrise aber bei bestem Geschäftsgang als Vorwand zu nehmen, um Löhne abzubauen, ist ein Schlag ins Gesicht aller Mitarbeitenden.»