Sofortige Schliessung von gesundheitsgefährdenden Baustellen in der Region

Die Unia hat bei Baustellenbesuchen in der Region Aargau-Nordwestschweiz ein ernüchterndes Fazit zur Umsetzung der BAG-Massnahmen gezogen. Selbst auf Grossbaustellen wie beim Claraspital und beim Stückipark in Basel sind Bauarbeiter dem Coronavirus ausgesetzt.

Die Unia stellt auf praktisch allen Baustellen katastrophale hygienische Zustände fest, die den Anweisung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) spotten. Fehlende Wasch- und Desinfektionsmittel sowie stetige Nähe zu anderen Bauarbeitern, in den Baracken oder in den Fahrzeugen, setzen die Bauarbeiter einem unnötigen Risiko aus, sich mit dem Coronavirus anzustecken.

Die Unia hat bei einer Kontrolle am Mittwoch, 18. März, auf der Baustelle Claraspital mehr als 150 Bauarbeitern angetroffen, die bei ihrer Arbeit keine Möglichkeit haben, den Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten. Ähnlich sieht es auf anderen Grossbaustellen wie dem Stücki Park aus. Während Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen abgesagt werden, müssen auf der Baustelle Claraspital dreimal so viele Menschen auf engem Raum arbeiten. Dies ist eine Zumutung für alle Betroffenen und erfordert härtere Massnahmen vom Regierungsrat.

Erst auf Intervention der Unia hin haben sich die Verantwortlichen der Baustelle Claraspital bereit erklärt, den Bauarbeitern Schutzmasken zur Verfügung zu stellen. Der Mindestabstand wird allerdings weiterhin nicht eingehalten.

Auch auf den zahlreichen Baustellen im Kanton Aargau zeigt sich ein ähnlich erschreckendes Bild. Die Unia hat bei ihren Baustellenbesuchen mit dutzenden Aufnahmen die Missstände in den Toiletten und Baracken dokumentiert.

Die Zahl der Hinweise von Mitgliedern, die auf unzumutbare Zustände auf den Baustellen hinweisen, hat in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen. Dies ist eine Zumutung für alle Betroffenen und erfordert härtere Massnahmen vom Regierungsrat.

Da die Bauunternehmer von sich aus nicht zu Massnahmen bereit sind, hat die Unia die Regierungsräte der Kantone Aargau, Basel-Landschaft und Basel-Stadt heute in einem Schreiben aufgefordert, die unverzügliche Schliessung aller Baustellen und Werkstätten im Kanton anzuordnen, bei denen die Einhaltung der Massnahmen des BAG nicht garantiert werden kann – mit Ausnahme der Pikettdienste und Notfalleinsätze – wie dies heute bereits bei anderen Wirtschaftszweigen der Fall ist, mit folgenden Zusicherungen:

  1. Die Baustellen des Basler Bausektors, die von diesem Beschluss betroffen sind, haben Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung gemäss der vereinfachten Regelung, die im Rahmen der COVID-19-Pandemie gilt.
  2. Der Kanton schliesst die Lücke für Mitarbeitende in befristeten Verträgen sowie bei Stundenlöhner*innen so rasch als möglich.
  3. Die Bauunternehmen haben Zugang zu den anderen finanziellen Hilfsmassnahmen, die zur Deckung der Löhne infolge der von den Behörden beschlossenen Massnahmen nötig sind.

Sollten sich die Regierungsräte nicht dazu entschliessen, wirksame Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu ergreifen, wird sich die Unia direkt an das BAG wenden, um die Durchsetzung der national angeordneten Massnahmen sicherzustellen. Dass eine schnelle Reaktion möglich ist, haben die Kantone Genf und Waadt mit den angekündigten Baustellenschliessungen Baustellen bewiesen.