Basler Regio-GAV für den Bau

Die Reallöhne in der Baubranche entwickeln sich schlecht, trotz stetig steigendem Umsatz. Die Basler Bauarbeiter*innen fordern einen grösseren Anteil am Erfolg der Branche – mit einem regionalen Gesamtarbeitsvertrag.

Obwohl der Umsatz im Bauhauptgewerbe in den letzten zehn Jahren um fast 30 Prozent gewachsen ist, haben sich die Reallöhne nur sehr geringfügig erhöht, in den letzten drei Jahren sind sie gar gesunken. Immer weniger Baurbeiter*innen leisten immer mehr, ohne dafür honoriert zu werden, der Termindruck steigt, die Arbeitssicherheit sinkt.

Der Landesmantelvertrag für das Bauhauptgewerbe (LMV) als Basis

Die Abbauforderungen des Baumeisterverbandes in den LMV-Verhandlungen vergangenen Jahres waren radikal, sie setzten mit einem Kahlschlag bei der Frührente und der faktischen Abschaffung der Arbeitszeitregelung Gesundheit und Leben der Bauarbeiter*innen aufs Spiel. Dank gemeinsamen Grossprotesten im ganzen Land konnten die überrissenen und gefährlichen Forderungen abgewendet werden.

Ruhe ist damit auf den Baustellen noch lange nicht eingekehrt

Neben erwähntem Lohn- und Termindruck machte der Hitzesommer die ohnehin schon harte Arbeit zusätzlich gefährlich und zuweilen unzumutbar. Die Preiskämpfe bei der Auftragsvergabe lassen viele Bauunternehmer*innen auf Temporärarbeit und undurchsichtige Subunternehmen setzen, was die Löhne weiter unter Druck setzt, statt diese endlich auf faire Art und Weise den Profiten der Arbeitgeber*innen anzupassen.

Der kantonale Weg

Es bleibt also viel Luft nach oben, gerade auch kantonal: Die Mindestlohninitiative beispielsweise wurde 2014 auf nationaler Ebene abgelehnt; seither konnten dennoch Mindestlöhne in den Kantonen Neuenburg, Jura und Tessin eingeführt werden, in Basel und Genf wurden entsprechende Initiativen eingereicht.

Kantonale Verbesserungen sind auch auf dem Bau möglich, wie ein Blick nach Waadt zeigt: Dort hat die Unia gemeinsam mit dem Waadtländer Arbeitgeberverband über den Fonds Gesundheit und Sicherheit erwirkt, dass hitzebedingte Unterbrechung der Arbeit ohne Lohnausfall ermöglicht werden. Eine Lösung, die mehr und mehr Schule machen muss – Klimawandel heisst nicht einfach nur heisseres, sondern generell extremeres Wetter, da reicht es auch im Winter nicht immer einfach, sich warm anzuziehen.

Die Unia misst den Puls auf den Basler Baustellen

In den vergangenen Wochen hat das Bau-Team der Unia Region Aargau-Nordwestschweiz die Stimmung im Kanton Basel-Stadt eingefangen: Mit vielen Gesprächen, Diskussionen und über 800 ausgewerteten Fragebögen, um die wichtigsten Forderungen für einen regionalen Gesamtarbeitsvertrag zu versammeln (siehe unten).

Auch an den zahlreichen Mittagsaktionen und am 1. Mai machten die Bauarbeiter*innen klar, dass sie bereit sind, für faire Arbeitsbedingungen zu kämpfen. In einem nächsten Schritt werden die Umfrageergebnisse ausgewertet und vorgestellt, um in einer Bauversammlung gemeinsam weiter hin Richtung «Regio-GAV für den Bau» im Kanton Basel zu schreiten.

 

Die wichtigsten Forderungen

  • Generelle Mittagspauschale für alle
  • Verbesserte Schlechtwetterregelung
  • Reisezeit ist Arbeitszeit
  • Bezahlte 9-Uhr-Pause
  • 1 bezahlter Fasnachtstag
  • Mindestlöhne für Lehrlinge
  • Limitierung der Temporärarbeit
  • Geregelte und gerechte Lohnklassen bei Subfirmen

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der regionalen Beilage zur work-Zeitung.